Warum ruft der FEUERIO eigentlich „AHOI“?

Warum ruft der FEUERIO eigentlich „AHOI“?

„FEUERIO – Ahoi!“ Diesen Ruf kennt bei uns jeder, er gehört zur Kurpfälzer Fasnacht wie die Garde und der Elferrat. Aber woher kommt er eigentlich? Die Antwort ist überraschend verschlungen – und führt über ein Narrenschiff, mehrere Zwischenrufe und ein dunkles Kapitel der Geschichte bis in die Gegenwart.

Alles beginnt mit einem Schiff (1839/40)

Der erste Mannheimer Fasnachtsumzug fand 1839 statt – organisiert von Offizieren der Mannheimer Garnison und einer Herrengesellschaft, mit 18 Wagen und zwei Musikkapellen. Karnevalsvereine, wie wir sie heute kennen, gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.

Bei genau diesen frühen Zügen taucht erstmals ein besonderer Wagen auf: ein bemanntes „Narrenschiff“. Die Mannheimer Bevölkerung begrüßte es am Straßenrand mit dem Ruf „Narrenschiff AHOI!“ Vermutlich liegt genau hier der Ursprung unseres heutigen Vereinsrufs – belegt ist das nicht, aber es ist die naheliegendste Erklärung, schließlich lebt Mannheim seit jeher am Wasser.

Der FEUERIO ruft zunächst ganz anders (1898–1914)

Als der FEUERIO 1898 gegründet wurde, war von „AHOI“ noch keine Rede. Um 1900 rief man stattdessen „FEUERIO Hurra-Hurra-Hurra“. Zwischen 1912 und 1914 wechselte der Ruf laut zeitgenössischen Presseberichten sogar zu „FEUERIO Uah-Uah-Uah“. Der heute so selbstverständliche Ruf war also alles andere als von Anfang an gesetzt.

Das Narrenschiff kommt zurück an Land (1911–1920er)

1911 lebte der maritime Ruf wieder auf – im Lokal „Landkutsch“ des Kapitäns und Lotsen Josef Bornhofen. Sein Sohn Heinrich war in jenem Jahr FEUERIO-Prinz, das Narrenschiff blieb als Bezugspunkt präsent. Ganz durchgesetzt hatte sich „AHOI“ damit aber noch nicht: Ende der 1920er wechselten sich bei Sitzungen noch „Hoch“ und „AHOI“ ab.

Ein eigener Ruf, ein klares Profil (frühe 1930er)

Erst in den frühen 1930er Jahren setzte sich „AHOI“ beim FEUERIO endgültig durch, „Hoch“ verschwand aus dem Sprachgebrauch. Das hatte auch mit Abgrenzung zu tun: Die 1929 gegründete „Fröhlich Pfalz“ rief nämlich „Aha“ – und der FEUERIO wollte ein eigenständiges, unverwechselbares Profil.

Ein Ruf wird vorgeschrieben (1936/37)

Nicht jede Etappe dieser Geschichte ist eine schöne. 1936/37 ordneten die nationalsozialistischen Machthaber die Vereinheitlichung des Rufs für die Mannheimer Fasnachtsvereine an. Das reihte sich ein in die sogenannte Gleichschaltung: Ab 1933 brachte das NS-Regime systematisch Vereine, Verbände und Organisationen unter seine Kontrolle und beseitigte damit ihre Eigenständigkeit – auch das Vereinsleben in Mannheim blieb davon nicht verschont. Was wie eine harmlose Vorgabe zur Vereinsvereinheitlichung wirkte, war Teil eines politischen Zwangssystems, keine gewachsene Gemeinschaftsentscheidung.

Unser AHOI heute

Aus alldem ist ein Ruf geworden, der heute fest zu uns gehört – über den Verein hinaus, für die ganze Region:

FEUERIO – AHOI! Mannem – AHOI! Kurpfalz – AHOI!

Von einem Schiffswagen im Jahr 1839 bis zu unserem heutigen Ruf war es ein langer Weg mit einigen Umwegen – und mindestens einem Kapitel, das uns daran erinnert, dass Traditionen nicht immer frei entstehen. Wenn ihr uns das nächste Mal „AHOI“ zurufen hört, wisst ihr jetzt: Dahinter steckt fast 190 Jahre Mannheimer Fasnachtsgeschichte.